Von Salzburg nach Spital an der Drau: Eine Alpenüberquerung

Ahoi liebe Mehrtagestourfans!

Und alle Jahre wieder starteten wir 4 Musketiere unsere mehrtägige MTB-Tour, diesmal überquerten wir den Alpenhauptkamm von Salzburg startend über den Oberhüttensattel, um in Spital an der Drau zu landen

Die Tour ist wie folgt unterteilt:

Tag 1: Salzburg – Abtenau (Voglau) || 75 km und 2600 hm
Tag 2: Abtenau (Voglau) – Mandling || 42 km und 1200 hm
Tag 3: Mandling – Innerkrems || 69 km und 2200 hm
Tag 4: Innerkrems – Spital an der Drau || 56 km und 1500 hm


Eckdaten der Tour sind:

Dauer: 4 Tage
Länge: ca 242 km
Höhenmeter: ca. 7500

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Tag 1: Salzburg – Abtenau (Voglau)

Voller Tatendrang sprangen wir in Salzburg aus dem Zug, schwangen uns auf die Sättel unserer Räder und freuten uns auf die nächsten Tage, denn unsere Batterien waren voll aufgeladen (im übertragenen Sinne natürlich), und tausende Trainingskilometer ließen uns in Zuversicht verweilen.

Sofort inhalierten wir mit jeder unserer Pore die Kultur dieser Stadt: Wolfgang Amadeus Mozart, Herbert von Karajan, Georg Trakl und unzählige andere Künstler prägten und prägen die DNA dieser Stadt. Wir genossen kurz aber intensiv diese Aura, bewunderten die Aussicht auf die Festung Hohensalzburg und folgten dann der Salzach Richtung Süden.

Wir folgten dem Radweg, welcher uns durch noble und noblere Wohnzonen führten, bis wir kurz vor Salzburg Süd nach Osten Richtung Glasenbach auf die Bundesstraße abbogen. Nun begann endlich der Aufstieg, der uns den Großteil des Tages begleiten sollte. Doch dafür haben wir den ganzen Sommer fast täglich trainiert, weshalb wir frohen Mutes waren.

So gelangten wir nach Vorderfager und das Eingangstor zum Hinterwinkl. Die Gegend besteht aus sanften Hügeln, saftigen Weiden und dichten Wäldern. Hier ist die Welt noch in Ordnung und ideal, um die Batterien aufzuladen und das Leben zu entschleunigen. So ging unsere Tour in sanftem Anstieg weiter nach Faistenau, durch die Raumsau, welche durchaus auch im Sommer einen Besuch wert ist, gefolgt von der Tiefbrunnau, die uns schließlich nach Kühleiten führte.

Wir wollten nun den Trail nach St. Gilgen am Wolfgangsee abfahren. Doch leider stießen wir auf ein Verbotsschild für Mountainbiker. Als gesetzestreue vorbildliche Mitbürger schulterten wir unsere Fortbewegungsmittel und stiegen nach Laim ab, überquerten die Hauptstraße und landeten schließlich bei unserem ersten Zwischenziel des Tages, St.Gilgen am malerischen Wolfgangsee.

Dieser Ort kann ein bisschen als Sinnbild für das Salzkammergutes verwendet werden. Das Mozarthaus (hier wohnten Wolfgangs Mutter Anna Maria und seine Schwester Nannerl) als Zeugnis einer großartigen Kultur liegt direkt an einem der zahlreichen Seen des Bundeslandes, im Hintergrund thront die Kuppel des Schafberges. Kultur, Berg und See auf einem Fleck! Gibt es noch einen schöneren Fleck? Schwer zu beantworten. Wir besprachen unsere Gedanken bei einem Mittagessen direkt am See und schwangen und alsbald wieder auf unsere Räder und folgten dem Südufer bis nach Brunn und bogen an der ehemaligen Mautstelle nach Süden ab und folgten der Zwölferhorn-Mountainbike Runde.

Zum ersten Mal an diesem Tag verloren wir den Kontakt zum Asphaltbelag, an nun radelten wir auf einer gut gewalzten Forststraße in steter Steigung bis zu den Almhütten (Braunauer Hütte, Illingerbergalm, Illinger Alm) und rasteten kurz am Illingerberg, um die Ruhe und den Frieden in uns wirken zu lassen. Doch nach dem Motto „wer rastet der rostet“ schwangen wir uns alsbald wieder auf unsere Sättel und rollten bergab nach Aschau in Koppl bei Hintersee. Hier verputzten wir die letzten Reste unserer Vorräte, denn es wartete der letzte Anstieg unserer Tagestour.

Bei Lämmerbach folgten wir den breiten Forstweg wuchteten wir uns nach oben, stets in südlicher Richtung. Schweißgeschwängert und atemlos passierten wir zur Posch’n Hütte und Genneralm. Dies sollte des höchste Punkt des Tages werden, und wir konnten uns auf die Abfahrt freuen. Wir beschlossen, bei der Reithütte den 142er Weg zu befahren, um unsere Abenteuerlust zu stillen.

Wir erreichten schließlich gesund und munter den Forstweg und konnten jetzt die Abfahrt auf der Straße parallel zur Ackerbach und Aubach genießen. Eine solch wilde Schönheit der Natur ist  in Zeiten des exzessiven Massentourismus selten zu finden und kann sich durchaus mit dem Klamml im Defreggental oder der Gegend nordwestlich von Santo Stefano di Cadore messen. Müde und glücklich erreichten wir schlussendlich unsere Unterkunft in Voglau bei Abtenau im Tennengau. Nach einem wohl verdientem Abendessen fielen wir alsbald in einen tiefen Schlaf und träumten von den Abenteuern, welche schon am nächsten Tag auf uns warten sollten.

Tag 2: Abtenau (Voglau) – Mandling

In der Früh unseres zweiten Transalp-Tages sprangen wir aus dem Bett und starteten nach einem ausgiebigen Frühstück Richtung Süden. Wir freuten uns schon auf den Dachstein und folgten dem offiziellen Radweg entlang der Lammer, bis uns bei Lammerer ein unerwartetes Hindernis beinahe vor große Probleme stellte: die Brücke wurde etwa 2 Wochen vor unserer Tour bei einem Unwetter weggespült. In der Zwischenzeit hatten die Pioniere des Bundesheeres für Ersatz gesorgt. Natürlich haben wir großes Vertrauen in die Fähigkeiten des österreichischen Bundesheeres, sodass wir unsere Räder über die Absperrungen hievten und unsere Fahrt fortsetzen konnten.

Wir folgten also der Edtalmrunde entlang dem Rauchenbach, bis wir schließlich bei Astau Richtung Dachstein abzweigten. Nun folgten wir der MTB-Strecke Nummer 55 und später 57. Wir ließen somit den Dachstein hinter uns, konnten uns aber fast den ganzen Tag an seinem Anblick laben. In vielen Serpentinen auf einer gut gewalzten Forststraße erklommen wir ca. 1000 Höhenmeter bis zur Mahdalm, von wo ein schmaler Pfad zur Sulzkaralm führte.

Hier genossen wir die heimischen Spezialitäten (Eigenproduktion!) und ein hiesiger Jäger klärte uns über die Eigenheiten der Gegend auf und wies uns auf die Problematik der Hybriden zwischen Hunden und Wölfen hin! Zum Glück trafen wir während unserer Tour vor allem auf Ziegen, Kühe, Eichhörnchen und Schweine, und da sollten Wolfshybriden zum Glück auszuschließen sein.

Endlich schwangen wir uns wieder auf das Rad und radelten Richtung Süden, vorbei an der Kirchgasshütte und gelangten schließlich nach Filzmoos in Pongau. Nun folgten wir dem Mandlinger Höhenweg und kamen schlussendlich in Mandling an. Dieser Ort ist insofern interessant, als dass durch das Dorf die Grenze zwischen den Bundesländern Steiermark und Salzburg führt. Als Folge dieser Teilung passieren einige merkwürdige verwalterische Eigenheiten. So wird bei Bedarf nicht etwa die 50 Meter entfernte Feuerwehrdienststelle kontaktiert, sondern die 10 km weit entfernte, die aber im richtigen Bundesland liegt! Aber da ist sicher auch die EU schuld, kann man sich vorstellen ;-).

Somit beendeten wir unsere Tour an diesem Tag, um am nächsten Tag frisch und freudig zu unserer Königsetappe aufzubrechen, denn der Alpenhauptkamm will ja überwunden werden.


Tag 3: Mandling – Innerkrems

Nach einem Erholungstag erwachten wir erwartungsfroh und sprangen frisch und fröhlich aus unseren Betten, denn endlich durften wir den Alpenhauptkamm überqueren. Wir folgten dem Fluss Mandling bis nach Gleiming, um das wunderschöne Bundesland Steiermark zu verlassen, um wieder in das wunderschöne Bundesland Salzburg zu zurückzukehren. Wir folgten nun dem „Stoneman Taurista“ Kurs, und bogen bei Forstau auf die verkehrsberuhigte Straße ab, nach etwa 10 km fuhren wir in steter sanfter Steigung bei der Vögeialm auf eine gut gewalzte Forststraße. Dem Stoneman Tauristen geschuldet nahm die Zahl der MTBs exponentiell zu. Im Gegenzug sahen wir fast keine E-Biker.

Hier zeigte sich schon, was uns die nächste Stunde erwarten sollte: eine knackige Steigung von etwa 15-16%. Die Erholungstour des vorhergehenden Tages machte sich nun bemerkbar, denn wir erklommen diese erste Rampe frisch und knackig und erfreuten uns bald darauf der schönen Umgebung, die uns schon etwas an die Dolomiten erinnerte. Wir folgten dem Weg, die immer sich immer weiter nach oben schlängelte, und teilweise auch eine Steigung jenseits der 20% erreichte. Leider verhinderte der Nebel und die tiefe Wolkendecke eine zufriedenstellende Weitsicht, machte aber die Tour umso spannender und abenteuerlicher. So erreichten wie schließlich die Oberhütte und genossen den Anblick auf den Oberhüttensee, welcher direkt am Oberhüttensattel liegt und die Grenze zum südlichen Teil des Alpenhauptkammes markiert.

Nun folgten wir das Weißpriachtal im Lungau bis nach Mauterndorf. Dazwischen machten wir noch ein kurze Pause an der Granglerhütte. Der Kaiserschamarrn war gut, die interkulturelle Kommunikation funktionierte leider nicht optimal. Unser Dialekte waren doch zu verschieden.

Von hier aus ging es nach St. Margarethen im Lungau, wo die letzte Steigung dieses Tages begann. Wir folgten also der Bundschuh-Straße, die eine mittlere Steigung von etwa 6-8% aufweist. Insofern wäre für diesen Abschnitt ein Rennrad von großem Vorteil, für den Berg-erprobten Mountainbiker bedarf es schon etwas an Geduld, um ihn zu bewältigen. Zum Glück befindet sich am Weg das sehr zu empfehlende Hochofenmuseum und hin und wieder fanden wir Preiselbeeren am Wegrand, an denen wir uns laben konnten. So gelangten wir schließlich zum höchsten Punkt des Anstieges, nämlich Schönfeld. Davor mussten wir noch die Avancen eine ausburger Mercedesfahrerin abwehren. Was man alles auf einer Transalp so erlebt!!

Hier nutzten wir den atemberaubenden Knappensteig, um nach Kärnten zu gelangen und in Innerkrems unser Nachtlager aufzutreiben.Was für ein gelungener Tag auf dem Sattel unserer Räder! Einfach nur atemberaubend.

Tag 4: Innerkrems – Spital an der Drau

Nachdem wir zum ersten Mal tief kärntner Luft geschnuppert haben (vor unserem Hotel parkte ein Auto eines FPÖ-Mitgliedes), befanden wir, dass die Welt wieder in Ordnung war. Ein Bundesland, das so von blauer Aura geprägt ist, kann nur sicher sein. Somit schwangen wir uns ruhigen Gewissens auf unser leider nicht blaues Gefährt und nahmen die Abfahrt im Angriff.

Auf unserer 20 Kilometer langen Abfahrt ließen wir die wunderschönen innerkremser Bergbahnen, die Ortschaften Vorderkrems und Kremsbrücke hinter uns. Dabei entging uns nicht der Blick auf die Autobahnbrücke. Bei Eisentratten war es endlich soweit: Der tiefste Punkt war erreicht und wir konnten wieder leichtere Kleidung anziehen.

Gemütlich fing die Steigung auf Asphalt an. Dies ging so weiter bis wir kurz nach der Wassererlebnisinsel Pasttratte und Fischfarm (der Erfinder des Namens sei Dank) wir endlich eine Forststraße befahren durften. Hier dürfen wir anmerken, dass diese Gebiet nicht unbedingt ausführlich beschildert ist.

Das nächste Etappenziel, das wir anvisierten, war das Millstätter Törl. Davor hatten wir noch eine außergewöhnliche Begegnung mit Alpakas (wohlgemerkt keine Lamas, wie uns unser Südamerikaexperte sofort aufklärte). Vielleicht auch deswegen blieben wir von Spuckattaken verschont.

Am Millstätter Törl hatten wir es nicht mehr weit, bis zur Millstätter Hütte, wo wir ausgezeichnete Käsespätzle aus Buchweizenmehl essen durften. Gestärkt von der guten Speise fuhren wir ein Stück zurück um dann unser Rad zu schultern und zum Hochpalfennock zu tragen.

Nun war es an der Zeit sich für den Singeltrail zu rüsten. Bis zur Alexanderhütte war die Abfahrt sehr flowig. Hier kann man ruhig ein wenig innehalten und den Blick zum Milstätter See genießen. Ab der Schwaigerhütte soll es einen weiteren Trail gen Tal geben. Auf Grund einer defekten Vorderbremse entschieden, wir die asphaltierte Straße zu nehmen. An dieser Stelle möchten wir noch erwähnen, dass wir in Kärnten das Gefühl hatten, dass Singletrail fahren nicht ganz erwünscht ist. Wir plädieren hier für ein friedliches Nebeneinander von Wanderer und Radfahrer.

In Millstatt angelangt blieb uns nur noch die Fahrt nach Seeboden und weiter nach Spital an der Drau, wo wir mit dem Zug nach Hause fahren konnten.

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