Wer in den Dolomiten nach einer Tour sucht, die landschaftliche Traumkulisse, sportliche Härte und tiefen historischen Tiefgang verbindet, findet im Gebiet rund um die Plätzwiese und den Strudelkopf ein echtes Epizentrum. Mit 29 Kilometern Länge und 1.245 Höhenmetern im Anstieg hatten wir uns ein echtes Brett vorgenommen. Doch die Tour war weit mehr als nur ein physisches Training – sie führte direkt in das erbarmungslose Erbe des Gebirgskrieges von 1915–1918.
Eckdaten:
Dauer: 5 Stunden
Länge: ca 29 km
Höhenmeter: ca. 1250
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AUF DEN SPUREN DER DOLOMITENFRONT
Das gesamte Gebiet um die Plätzwiese, den Strudelkopf und das Höhlensteintal war im Ersten Weltkrieg ein hochalpines Frontgebiet zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Um Nachschublinien zu sichern und Artilleriestellungen aufzubauen, sprengten und bauten Pioniere damals ein weitreichendes Netz aus Maultierpfaden, Saumwegen und Felsentunneln in die senkrechten Wände. Startpunkt unserer Tour in Schluderbach und der Weg nach oben atmen diesen historischen Geist: Man bewegt sich auf Wegen, die unter unmenschlichen Bedingungen für den Krieg abgerungen wurden.
DAS AUFSTIEGS-DILEMMA: ZWISCHEN BETTENSTOPP-ILLUSION UND UPHILL-KAMPF
Nach dem schweißtreibenden Anstieg aus dem Höhlensteintal folgte die erste Ernüchterung an der Dürrensteinhütte. Während hier im Ersten Weltkrieg Soldaten strategische Positionen hielten, strömen heute – dank fleißig rollender Shuttlebusse und Tausender genehmigter Betten(stopp)reserven – gefühlt Heerscharen ganzer Großstädte auf den Berg. Offenbar greift der viel zitierte Südtiroler „Bettenstopp“ in der Realität ungefähr so gut wie ein abgefahrener Semislick-Reifen auf nassem Schotter: Von Ruhe oder Entlastung jedenfalls keine Spur, Disneyland kann sich hier noch eine Scheibe abschneiden. An eine entspannte Einkehr mit Kaffee und Kuchen war bei dem Andrang nicht zu denken.
Der anschließende Weiterweg bergauf gestaltete sich erst recht zur Zitterpartie: Die Wege waren von Heerscharen von Wanderern blockiert, die mangels alpiner Erfahrung kaum ausweichen konnten oder wollten. Ein erzwungener Ausweichversuch in den losen Schotter endete prompt an einer massiven Wurzel, die uns jenseits des Weges auf die Wiese zwang – ein frustrierender Spießrutenlauf.
DAS ABSOLUTE HIGHLIGHT: DER HISTORISCHE ABWÄRTSTRAIL
Nach dem Trubel oben folgte die eigentliche Kernschaukel des Tages – und damit ein hautnahes, fast gespenstisches Geschichtserlebnis.
[ACHTUNG: Dieser Trail ist absolut nichts für schwache Nerven oder müde Beine!]
Wer sich auf diesen ausgesetzten, ehemaligen Militärpfad wagt, merkt sofort, wie hart es hier damals „zur Sache ging“. Der schmale Weg schneidet sich hauchdünn und atemberaubend in die riesigen Felswände. Dunkle, unbeleuchtete Weltkriegstunnel zeugen von den alten Schutz- und Verteidigungsbauten. An den kritischsten Passagen ist der Weg bis heute mit durchgehenden Stahlseilen gesichert. Hier hieß es: Links das Bike, rechts das Stahlseil, Meter für Meter hochkonzentriert im alpinen Fels manövrieren. Ein Fahrfehler ist hier absolut tabu, da das Gelände links extrem steil abfällt.
FAZIT
Eine Tour der krassen Gegensätze. Einerseits eine faszinierende, historische Zeitreise auf den Spuren des Gebirgskrieges mit einem unvergesslichen Panorama auf die Dolomiten-Giganten (wie Drei Zinnen, Monte Cristallo und Hohe Gaisl). Andererseits ein mahnendes Beispiel dafür, dass Südtirols touristische Obergrenzen auf dem Papier eben doch elastischer sind als ein Gummiband. Wer diesen legendären Militärtrail erleben will, sollte extrem früh in den Tag starten (noch bevor die Busse rollen), konditionell und fahrtechnisch absolut topfit sein – und den nötigen Respekt vor der alpinen Geschichte im Gepäck haben.