Wanderung Frau Hitt – Nordkette

Liebe Wanderfreunde,

diese anspruchsvolle Wanderung führt uns von der selbsternannten Alpenhaupt Innsbruck zur „Frau Hitt“ in der Nordkette.

Eckdaten der Tour sind:

Dauer: 6 Stunden
Länge: ca 15 km
Höhenmeter: 2000

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Wanderung Frau Hitt in der Nordkette

Erschrocken rannten wir mitten in der Nacht zu den Bergschuhen, denn in einem brutalen Alptraum drohten sie, von Staub bedeckt zu werden! Nach dem Traumwissenschaftler Dr. Schnarch handelte es sich um ein tief im Unterbewusstsein verankerte Angst, seit über einer Woche keinen Berg erklommen zu haben! Diesem Missstand musste dringendst Abbitte geleistet werden. Der Blick schweifte zur Nordkette und dort auf die markante Feldzacke in Form einer bösen Frau namens Frau Hitt. Warum nicht also raum zum Sattel? Gesagt, getan und so wurde der Markplatz zu Innsbruck als Treffpunkt erkoren und schon gings bergauf!

Vergnügt ging es über die Kirschentalgasse über den Schießstand Hötting und Planötzenhof zum Rauschbrunnen. Was können wir über die bisher zurückgelegte Strecke berichten? Sonnig, erholsam, gemütlich, zufriedenstellend, erfreuend sind so die spontanen Einfälle und um unserem leiblichen Wohle zu frönen, genossen wir den – unserer Meinung nach – besten Hollersaft in Innsbruck in Einklang mit Topfenkuchen und Kaffee. Der erste Bissen war zugegebenermaßen etwas mit Skepsis und Vorsicht gepaart, in Gedanken an Frau Hitt! Es wird nämlich erzählt, dass diese garstige Dame einst als Riesin in diesem Gebiet hauste und äußert geizig und habgierig war (Charakterzüge, welche wir bei unseren Lesern natürlich kategorisch ausschließen können! Wie bereits öfters erwähnt, gibt es repräsentative Studien, dass diese äußerst gebildet, generös und sogar schöner sind als der Durchschnittserdenbewohner). Einem armen Bettler gab sie zum Essen lediglich einen Stein, sodass sie dazu verflucht wurde, für immer in Stein verwandelt über das Inntal thronen musste.

Beruhigt, nicht von einer modernen Frau Hitt bewirtet worden zu sein, genossen wir unser steinloes Mahl zu Ende und stiegen weiter auf Richtung Nordkette, an der kleinen modernen Kapelle vorbei, dem Weg Nr 220 folgend. Dieser schlängelt sich in angenehmen Mäandern nach oben, sodass wir keinerlei Anstrengung spürten. Ob dies der kürzlich erfolgten Stärkung geschuldet war oder unserem fleißigen Trainingsaufwand während des gesamten Sommers? Wie pflegte mein seliger Physiklehrer immer zu sagen: „Das weiß nur der da oben“! So gelangten wir schließlich recht schnell zur Aspachhütte, die am oberen Waldrand über Innsbruck thront. Diese westliche Seite der Nordkette darf gut und gerne als Geheimtipp bezeichnet werden, da die Hütten auf dieser Bergflanke nicht aufschenken, sodass die Pfade (noch) nicht überlaufen sind.

Ab dieser markanten Stelle biegt der Aufstieg scharf nach Osten ab und wir wanderten auf dem Durrachsteig zum Achselkopf. Dieser Abschnitt kann auch aus zweierlei Gründen dem Wanderer wärmstens empfohlen werden: zum einem wird eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt geboten, zum anderen kann man aufgrund der extremen Schneemenge und den zahlreichen Lawinen von 2018 die ökologische Sukzession beobachten, also wie sich der Wald Jahr für Jahr vom Kahlschlag erholt. Noch lustiger erscheint es, den „wilden“ Westen mit dem mühsam aufgeforsteten Osten der Nordkette zu vergleichen! Jeder möge für sich selbst entscheiden, welche Seite gesünder erscheint.

Nach einer kurzen Rast am Achselkopf ging der Aufstieg weiter und wir schlugen uns ohne Wehklagen und Murren nach Norden durch und gelangten zu einer malerischen Stelle namens Uli`s Bankl und – was kann der Zufall auch anderes bieten – dort saß eine Nachwuchskünstlerin, die die Nordkette aus dieser Perspektive aus skizzierte. Ob wir die weibliche Alfons Walde getroffen haben? Wer weiß…!

Nach dieser Lektion in Kunst wuchteten wir uns weiter nach oben, entdeckten unter uns die Höttinger Guflhütte, Schäferhütte und schließlich die Höttinger Alm, sie weit unter uns inmitten von saftigen Almwiesen thronte. Die Querung bis zu diesem Punkt (Kreuzung zum Weg 215) war sehr viel abenteuerlich als wir es uns jemals vorstellen hätten können: Wir mussten heldenhaft einen Canyon überwinden und waren die ganze Strecke von einer fast schon mystischen Mondlandschaft umgeben! War es nun Traum oder Wirklichkeit? Unser Gefühl meinte einen Traum erfahren zu haben, unsere Waden waren ganz anderer Meinung.

Den Weg 215 folgten wir nur ganz kurz bergauf, um dann sofort Richtung Westen abzubiegen und nun erwartet und die Königsetappe unserer Tagestour: Wir kamen zur „Direttissima“, die jetzt mehr oder weniger für 300 Höhenmeter direkt zum Sattel führte. Der Steig ist sehr gut ausgetreten, aber ab und zu sollte der Wanderer auf lose Steine acht geben, vor allem um andere Bergsteiger zu schützen. Leichte Steinschläge auf den Kopf erhöhen nicht immer das Denkvermögen.

Schlussendlich gelangten wir zum Frau Hitt Sattel und hatten eine atemberaubende Aussicht sowohl nach Innsbruck als auch in den wilden, unbebauten Karwendel! Der Abstieg erfolge zunächst analog dem Aufstieg bis zur Kreuzung der Wege 220/215, dann querten wir auf dem Brauneggsteig die Nordkette bis zur Seegrube, wo wir verdientermaßen die Seilbahn benutzten, um wieder nach Innsbruck zu gelangen.

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