Bikebergsteigen auf die Zugspitze by Fair Means

Die Zugspitze mit dem Moutainbike? Geht das? Ja, zumindest über das Rheintal bis Sonnalpin. Die anschließende Abfahrt via Gatterl glänzt sogar mit richtig schönen Trails. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel werden dann noch zu Fuß bewältigt. Die Tour ist allerdings gewaltig. Technisch (bis S3) wie auch konditionell (2700 hm mit 1500 hm Tragepassagen) stellt sie sehr hohe Anforderungen, und setzt absolut beste Bedingungen voraus. Wir haben diese als persönliche Herausforderung in einem Tag gemacht, für die Allermeisten ist das aber auch als 2-Tagestour noch sehr fordernd. Die Reintalangerhütte oder die Knorrhütte bieten sich zur Übernachtung an. Diese sollte aber sehr frühzeitig reserviert werden, oder man muss auf spontan frei werdende Plätze hoffen. 

Eckdaten der Tour sind:

Dauer: 10,5 Stunden
Länge: ca 55,7 km
Höhenmeter: ca. 2700

Download GPX Track

Zugspitze mit dem Mtb

Los ging es am Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen. Zuerst radelten wir gemütlich zum Olympia-Stadion und dann über Forstwege teils steil in das wunderschöne Rheintal hinein. Ab Hinterklamm geht der Weg in einen S1-Uphill-Trail über, der bis auf einige schottrige Rampen insgesamt gut fahrbar ist. Die vielen Wandergruppen, die wir dabei überholten, zeugen von der hohen Popularität der Route. In atemberaubender Berglandschaft erreichten wir nach knapp 2 Stunden die idyllisch gelegene Reintalangerhütte. Kurz danach hieß es dann das Bike schultern, und es ging ca 650 Höhenmeter steil bergauf bis zur Knorrhütte. Das Zugspitzplatt war erreicht, und auch die letzte Wasserquelle bis zum Gipfel. Teilt man die Tour in zwei Tage, wäre dies wohl auch der am Beste geeignete Zwischenstopp zur Nächtigung. Steil und grobschotterig ging es mit Radel auf dem Rücken weitere 500 Höhenmeter durch die hochalpine Mondlandschaft des Zugspitzplatts bis kurz vor Sonnalpin, der Haltestelle der Zugspitzbahn als auch der Seilbahn vom Gipfel.  Ein Masten bot sich als Bikedepot an um das Radel anzuketten. Ab hier ging es nur noch zu Fuss weiter. 400 Höhenmeter trennten uns noch vom Gipfel. Für diese Passage sind gute Bergschuhe sehr zu empfehlen. Five Tens oder ähnliche Bikeschuhe wären hier eher fehl am Platz. 

Ein steiles Geröllfeld war nur sehr mühsam zu überwinden. Danach ging es über einen beinah durchgehend mit Stahlseil versicherten Steig weiter bis zum Gipfel. Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung sind in dieser Passage klar von Vorteil. Ein Klettersteigset kann bei Defiziten durchaus hilfreich sein. Der Steig ist auch sehr stark mit Wanderern frequentiert, die dem technisch und konditionell nicht immer gewachsen sind, so dass es auch zu Staus an den Engstellen kommen kann. Am Gipfel angekommen erfährt einen dann ein Kulturschock. Aus dem alpinen Ambiente wird man in einem hochfrequentierten Touristen-Hotspot in luftiger Höhe katapultiert. Immerhin gibt es mehr als ausreichend Verpflegungsmöglichkeiten um sich für den langen Abstieg zu stärken. Wir waren um 14:30 Uhr am Gipfel, und haben für die ganze Tour insgesamt noch bis 20 Uhr benötigt. 

Wieder zurück bei Sonnalpin begann endlich der Abfahrtsspaß. Da auch die Passage zur Knorrhütte generell tagsüber sehr stark mit Wanderern frequentiert ist, empfiehlt sich die Abfahrt nur am Nachmittag. Auf sehr losem Geröll rutscht und balanciert man in S2-S3 bergab. Insbesondere bei den steileren Stufen zwingt einen das lose Gestein immer mal wieder zum Absteigen. Insgesamt ist dieser Trail aber in der Schwierigkeitsstufe gut zu befahren und das Surfen im Schotter in dieser kargen Hochgebirgslandschaft ein ganz besonderes Erlebnis. Zurück in der Knorrhütte kann man sich nochmals stärken. Es folgt die zähe Querung zum Gatterl. Anfangs teils noch fahrbar wird das Gelände zunehmend verblockter, und man schultert das Bike dann am Besten wieder. Kurz nach dem Gatterl erwartete uns eine kurze, seilversicherte Kraxelstelle. Ist man alleine unterwegs sollte man dafür besser ein Bike-Tragesystem mitführen. Nachdem diese Stelle gemeistert war galt es noch die letzten 200 Höhenmeter bis unterhalb des Hochwannigkopfes zu überwinden.  

Es beginnt der Einstieg in ein wahres Trailschmankerl. Erst noch meist in S3 eher rutschig und verblockt wird der Trail im Laufe der Zeit immer flüssiger. Im unteren Drittel dann durchgehend S2. Ein Ärgernis ist allerdings der Hüttenwirt des Steinernen Hüttl. Dieser scheint von unserem Sport rein gar nichts zu halten und setzte diesen mit einem Kapitalverbrechen gleich. Jedenfalls hat er uns beim Abstieg penibel beobachtet dass wir bloss nichts verbotenes tun. Da die Trails in unmittelbarer Hüttennähe aber sowieso recht steil und verblockt sind, sollte diese kurze Passage im Sinne der Deeskalation besser geschoben werden. Nach den sehr positiven und wertschätzenden Reaktionen der Wanderer rund um die Zugspitze, hätte es diesen Schlechte-Laune-Ausbruch eines Griesgrams zum Ende der Tour aber wirklich nicht mehr gebraucht. Nichtsdestotrotz erreichten wir das Gaistal im Sonnenuntergang mit einem fetten Grinsen im Gesicht. 

Was noch folgte, war gemütliches Ausrollen auf abschüssigen Forststraßen und der Hauptstrasse durch das Loisachtal bis zum Bahnhof in Mittenwald. Ein langer Tourentag und ein ganz besonderes Erlebnis neigten sich dem Ende zu. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.