Sturm auf de(m)n Ortler (Hintergrat)

Nach langer Vorfreude, und ehrlicherweise noch viel mehr Vor-Nervosität ging’s am 9. August 2011 nach Sulden! Bereits in Pfunds hatten wir die große Ehre, uns mit unseren Pitztaler Bergkameraden und unseren sensationellen Bergführern Didl und Peter (Schuggi) zu treffen. Eines sei schon vorweg genommen: Ohne euch hätte ich diese Strapazen niemals überlebt! Die beruhigenden Worte am Vorabend in der Hintergrathütte werde ich niemals vergessen („ach, do gibts a Stell, do geaht’s rechts 800 und links 1000 Meter oi“; „und wenn der Chemiker mit seinen Tabletten stirbt, dann hosch du morgn 2 Lebenntige und an Toatn am Soal“ , „nana, der Lehrer schoffts nia, der tuat ja im Summer 3 Monat nix“); diese trugen deutlich zum festen, tiefen, vierstündigem Schlaf bei. Am Vorabend ging‘s also von Sulden mittels Seilbahn und einstündigem Spaziergang zur Hintergrathütte auf 2661 Meter über dem Meer. Hier machten wir es uns beim gemütlichen Ofen in der Hüttenstube gemütlich, bis wir von der resoluten Wirtin (im Nebenjob Lehrerin, Mutter und Hausfrau!!!) zu einem anderen Tisch zitiert wurden, wo wir unsere Henkersmahlzeit einnahmen. An dieser Stelle gibt es nichts mehr zu berichten, weil wir zu späterer Stunde einen (wahrscheinlich verschreibungspflichtigen) Schlummertrunk namens „Schpeik“ einnehmen mussten. Laut dem so gar nicht resolutem Hüttenwirt (und wahrscheinlich auch Hersteller, Vertreiber und Medizinmann in einer Person) gibt es dafür leider keine deutsche Übersetzung. Jedenfalls begaben wir uns daraufhin in unseren Schlafraum, und nach einigen Stunden – und wahrscheinlich Schpeiks – gesellten sich auch unsere beiden Bergführer hinzu, um uns, wie bereits erwähnt, gut zuzureden.

Am nächsten Tag, um 3.30, wurden wir zärtlich von der Hüttenwirtin geweckt, und nach einem guten Frühstück, wurden wir von der Dame ebenso zärtlich in die kalte Nacht geschickt. Der Hintergrat kann als eine sehr abwechslungsreichen Wander-Kletter- und Gletschertour beschrieben werden. Damit uns nicht langweilig wurde, kamen noch ein rutschiger Untergrund (Graupelfall am Vorabend) und sturmartige Böen hinzu. Laut Bergführer war dies auch nötig, sonst würde die Tour ja kitschig erscheinen. Seltsamerweise erwies sich als die im Internet oft als Schlüsselstelle beschriebene überhängende Kletterpassage als ziemlich leichtestem Punkt der Tour. Aber ich möchte mich nicht in Details verlieren, nach ca. 5 Stunden standen wir bei schönstem Wetter erschöpft, glücklich und stolz auf dem höchsten Punkt Gesamttirols und ließen unseren Blick in die Ferne schweifen. Doch der Wind drängte uns zum Aufbruch, der Rückmarsch verlief über den „Normalweg“, als ewig lang über den riesigen Ortlergletscher, vorbei am Lombardi-Biwak über noch einige knifflige Kletterstellen bis zur Payerhütte (3029m Seehöhe). Nach einer kurzen Pause und einer stärkenden Suppe marschierten wir weiter zur Tabarettahütte (2556m Seehöhe). Hier konnte es unser Osttiroler Herzensbrecher Schorschi wiedermal nicht lassen, und brachte- nach eigenen Aussagen ohne Blickkontakt, und ohne ein Wort zu sagen – die Kellnerin zum Weinen! Entweder man hat eben das gewisse Etwas oder nicht. Jedenfalls konnte das Versprechen, er würde nächstes Jahr wieder vorbeikommen, wieder ein Lächeln auf das Gesicht der Dame zaubern. Nun konnten wir unsere Aufmerksamkeit wieder unseren genialen Bergführern zuwenden, die uns von ihren Nordwand-Klettererlebnissen erzählten. Zitat:“Mon startet so um 02:00 morgens, denn wenn mon z‘spat isch, donn schmilzt s‘Eis unter den Händen und die Stuar kemmen … na, Sicherungen brauchsch do it, des isch nit so steil wies von do ausschaut … und mit Sicherungen verliersch jo lei zviel Zeit“ Zitat Ende. Nach dieser letzten Pause stiegen wir noch die letzten 600 Höhenmeter ab und es ging wieder nach Hause, wo man von Aspirin und einem Vollbad empfangen wurde.

Fazit der Tour: Die Bilder sprechen für sich. Ein unvergessliches Erlebnis, allerdings sollte man sich gewissenhaft darauf vorbereiten, und VORHER sehr viele Höhenmeter fressen, vor allem über 3000 Meter Höhe. Ohne die nötigen Seil- und Sicherungskenntnisse hat man ohne gutem Bergführer auf dieser Tour nichts zu suchen. Hier ist an falscher Stelle gespart, besser man kauft sich nach einem sehr langem und erfülltem Leben einen billigeren Sarg.

Fazit zu den Begleitern: Ohne die richtigen Bergkameraden kann man diese Tour nicht bewältigen. Ich kann inzwischen schon fast von einer Bergfamilie sprechen, mit den beiden mega-grenzgenialen Bergführern als Mutti und Vati. Ein kleiner Tipp: sollte man dem Pitztalerischem und den anderen Tiroler Oberland-Dialekten nicht mächtig sein, sollte man sich am Besten vorher auf eine gemeinsame Sprache (am Besten Chinesisch oder Kongolesisch) einigen!

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