6. Oktober 2018

Unterwegs am karnischen Höhenweg mit Mtb

Ahoi liebe Transalpfanes,

nach dem Motto „Es muss nicht immer der Gardasee sein“ wagen wir dieses Jahr ein Tour, wo man sich in manchen Streckenabschnitten sehr einsam fühlen wird. Von Vierschach in Südtirol fahren wir entlang der Grenzlinie zwischen Italien und Österreich und auf Teilstrecken entlang des Karnischen Höhenweges bis nach Arnoldstein in Kärnten. Die Schönheit und teilweise auch Wildheit der Landschaft sei hier besonders zu erwähnen.

Die Tour ist wie folgt unterteilt:

Tag 1: Vierschach – Malga Digna
Tag 2: Malga Digna – Mauthen
Tag 3: Mauthen – Nassfeld
Tag 4: Nassfeld – Arnoldstein

Eckdaten der Tour sind:

Dauer: 4 Tage
Länge: ca 206 km
Höhenmeter: ca. 9000

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Mtb am Karnischen Höhenweg: Vierschach – Malga Digna

Frohen Mutes reisten wir per Bahn nach Vierschach, nahe der schönen Ortschaft Innichen mit der berühmten romanischen Kirche und der für das leibliche Wohl nicht minder berühmten Jora Hütte, welche immer einen Besuch wert sind. Nachdem wir im Zug das nette und günstige Angebot eines zufällig getroffenen Mitreisenden ausgeschlagen hatten, seine Bekannte zu mieten, konnten wir uns endlich auf den Grund unseres Daseins konzentrieren, nämlich hoch zu Rad die Berge zu zähmen.

Die Zähmung begann mit der Seilbahn auf den Berg Helm, da wir die Forststraße auf den selbigen schon in der Vergangenheit bezwungen hatten (LINK ZUM BERICHT). So ging es von der Bergstation Richtung Sillianer Hütte. Den breiten Forstweg folgend fuhren wir Richtung Osten und wurden Zeugen des Umbaues dieser Hütte, die nun wahrscheinlich das Ausmaß eines größeren Hotels einnehmen wird. Was kann es schon Schöneres geben, als eine Sauna und all-you-can-eat auf 2500 Metern Seehöhe?

Jedenfalls radelten wir weiter Richtung Osten, vorbei an der Bunkerstellungen, welche uns an den Wahnsinn frühere Kriege erinnerte. Zum Glück sind diese Zeiten lang vorbei, da der Mensch ja seit damals riesige Fortschritte vollzogen hatte und wir endlich (fast) den Waldfrieden haben.

Nun begann der alpine Teil unserer Tour. Die meisten Abschnitte sind durchaus befahrbar, allerdings braucht der Pilot einiges an Körperbeherrschung, Kraft und Kondition. Natürlich muss auch das Wetter berücksichtigt werden, da einige Abschnitte sehr rutschig sein könnten. Dies kann zu einer extremen Abkürzung der Strecke führen (mit einer Beschleunigung von etwa 10ms-2).

Wir waren natürlich fehlerfrei und flott unterwegs und erfreuten uns an dem wunderbaren Panorama, mit Blick auf die Dolomiten, für uns das schönste Gebirge der Welt. Gut dass Gott vor der Schaffung der Dolomiten beim Karwendelgebirge üben konnte. Am Höhenweg wechselten sich Auf-und Abfahrt stets ab, sodass uns Bikern nie langweilig wurde. Nach etwa zwei Stunden wechselte die Tour von steinig-montan zu alpinen Almflächen, wir fuhren also hauptsächlich auf Trampelpfaden. Die Gefahr eines Absturzes wechselte zu der Gefahr eines hintertückischen Murmeltier-Killerkommandos. Diese gut genährten Hochgebirgsbewohner waren- vielleicht aus Mangel an Fressfeinden) so gut genährt, dass schnelle Fluchtbewegung nur mehr in ihren Gedanken möglich waren. So mussten wir aufpassen, nicht von einem dicken behaarten Fettposter ausgehebelt zu werden. Also ging es im Slalom zwischen den Tieren hindurch, bis wir den Rotecksattel erreichten. Hier begann die rasante Abfahrt ins das Cadoretal, die hauptsächlich auf auf gut gewalzten Forstwegen stattfand.

Nach etwa 1000 Höhenmetern abwärts gelangten wir auf eine asphaltierte Straße, die nach einer Haarnadelkurve in Richtung Osten führte (Pian de Mola). Nach etwa drei km wechselte der Untergrund wieder zu einem gewalzten Weg, der immer steiler werdend nach oben führte. Vorbei an Wald und Wiese näherten wir uns der mächtigen Wand des Crode dei Longerin Bergmassives. Nach kurzer Zeit hatten wir die Scharte erreicht und fuhren einen engen Trampelpfad abwärts Richtung Osten bis zum Passo Palombino. Hier führte unsere Tour noch etwa 4 km auf einem breiten, gut gewalztem Forstweg in weiten Serpentinen bis zu unserem ersten Tagesziel, der Malga Dignes. Hier konnten wir bestes hausgemachtes Essen und Trinken zu einem vorzüglichen Preis genießen und den äußerst kurzweiligen Ausführung über Land und Leute vom sehr sympathischen Hüttenwirtes lauschen. Doch die Müdigkeit zwang uns bald in das Land der Träume, die uns von Tag zwei träumen ließen.

Mtb am Karnischen Höhenweg: Malga Digna – Mauthen

Der zweite Tag der Tour kann getrost als Königsetappe dieser Reise bezeichnet werden. Mit fast 2700 Höhenmeter kann diese als schwer bezeichnet werden. Doch auf Grund der grandiosen Landschaft ist die Fahrt immer kurzweilig.

Von der Malga Dignas fahren wir zunächst 300 Höhenmeter den Berg hoch. Ab der Malga Campobòn folgen 15 Kilometer stetes auf und ab. Es sind nicht lange Anstiege zu bewältigen, aber in Summe spürt man diese dann am Ende des Tages. Zwischen der malga Manzon und Antola di Sopra fahren wir auf einem schönen Trail. Bei den Piavequellen endet schließlich dieser Abschnitt, davor müssen wir das Rad aber ca. 200 Höhenmeter schieben. Der Piave ist wohl dem Einen oder Anderen k.u.k. Nostalgiker ein unangenehmer Begriff.

Nachdemm wir den Rifugio „Sorgenti del Piave“ hinter uns gelassen haben, setzen wir Kurs gegen dem „Passo Avanza“, auch die Grenze zwischen der Region Venetion und Friaul Julisch Venetion. Bitte daher für diese Tour diese Region am Navigationsgerät vorsehen. Die weitere Abfahrt bis kurz vor Forni Avoltri kann man mit einem Wort beschreiben: „holprig“. Die Straße ist aus mit Beton umgegossenen Steinplatten, was die Fahrt, besonders mit dem Hardtail, nicht angenehm macht.

Ab Forni Avoltri beginnt die nächste Steigung des Tages. Gemütlich radeln wir an den Ortschaften Frassenetto, Sigiletto, Collinetta und Collina vorbei. Das Teilstück der Asphaltstraße zwischen Collina und dem Rifugio Tolazzi verlangen unseren Wadeln einiges ab. Die restlichen 800 Höhenmeter bis zum Rifugio Marinelli fahren wir auf Forststraße. Diese haben es aber in sich, innerhalb von 5 Kilometer bewältigen wir 700 Höhenmeter. Am Ende des Tages verlangt uns das schon Überwindung ab. Doch der herrlich Blick vom Rifugio Marinelli aus entschädigt uns für die von uns aufgenommenen Mühen.

Nach einer kurzen Pause stürzen wir uns gen Tal. Die ersten 150 Höhenmeter können wir auf unser Gefährt auf eine S1-Trail lenken. Danach folgt eine Forststraßen. Kurz nach der Casera Val di Collina, biegen wir auf den Römerweg ein, der uns zum Plöckenpass führt. Dazwischen müssen wir noch 100 Höhenmeter empor schieben.

Da wir für den Tag das Gefühl haben, genug am Rad gesessen zu sein, nehmen wir die Route „Direttissima“ und zwar die Bundesstraße nach Keutschach-Mauthen.

Mtb am Karnischen Höhenweg: Mauthen – Nassfeld

Der dritte Tag unserer Radtour beginnt mit angenehmer Temperatur von 17,5 Grad Celcius und ein fast wolkenloser Himmel, der nur von Cirruswolken verfeinert wird. Des weiteren verlaufen die ersten 5 Kilometer flach am Boden des Gailtales, also idealst zum Aufwärmen. Was will man schon mehr im Leben haben? Ab Weidenburg beenden wir unser Aufwärmphase und widmen uns dem ersten Anstieg des Tages.

Die Steigung, die uns erwartet, ist bis zum Gratzhof ein wenig steiler, wir bewältige diese auf Asphalt. Wenig später beginnt die Forststraße mit mäßiger Steigung. Wir nehmen eine Serpentine nach der anderen im Angriff. Immer wieder haben wir auch die Gelegenheit die schöne Aussicht ins Gailtal zu genießen. Nach der Eggilealm haben wir die Baumgrenze erreicht und das Farbenspiel des anfangenden Herbst lässt die Zeit im Nu verstreichen.

Nach einigem Auf und Ab erreichen wir die Ochsenalm, wo der Forstweg endet. Auf einem anfänglich flowigen, dann nicht mehr so flowigem Trail erreichen wir die Achorachalm. Nachdem wir bei der Waidegger Alm die Bekanntschaft eines sympatischen italienischen Wanderer machen konnten, treten wir zum Straniger Sattel, wo wir wieder nach Italien übersetzen. Die Grenze ist heutzutage nicht mehr sichtbar. Früher wird diese Gebiet wohl ein Schmugglerparadies gewesen sein.

Sofort nach dem Grenzübertritt verändert sich die Landschaft wieder. Auf der italienischen Seite ist die eindeutig wilder und die Berge schroffer. Für den hungrigen Radfahrer gibt es an diverser Stelle die Möglichkeit seinen Hunger zu stillen. Am Rattendorfer Sattel überqueren wir neuerdings die Grenze. Hier lohnt es sich seine Protektoren anzuziehen, da diese bis zur Rattendorfer Alm nützlich sein werden.

Bis wir schlussendlich Sonnleiten bei Nassfeld erreichen, haben wir noch einige kleine Schiebe- und Tragepassagen vor uns. Bei feuchtem Untergrund nicht ganz leicht. Zwischen der Rattendorfer Alm und der Tröpolacher Alm bzw. zwischen Tröpalacher Alm und Sonnleiten (Freundschaftsweg) müssen wir immer wieder vom Rad absteigen und schieben. Schlussendlich erreichen wir müde aber glücklich von der schönen Tour Sonnleiten bei Nassfeld

Mtb am Karnischen Höhenweg: Nassfeld – Arnoldstein

Am letzten Tag der Tour wollen wir uns nicht mehr so viel vornehmen und fahren auf der Bundesstraße zum Nassfeldpass, auch wenn der eine oder anderer Leser dies nicht gut heißen würde. Nun wechseln wir wieder das Staatsgebiet. Bis zu Ofenalm ist der Weg sehr schön zu fahren. Die wilde karnische Landschaft begleitet uns. Nach einer kurzen Schiebepassage ab der Ofenalm erreichen wir den Garnitzensattel.

Es folgt ein kurzer Trail bis unterhalb des Garnitzalm. Nun wechseln wir auf ein schöne Forststraße, die uns wieder nach Italien bringt. Zu Beginn ist hier der Weg schön und wechselt bald in einem schönen Trail über. Zuletzt muss man das immer wieder schieben und tragen. Ein kleines Stück ist sogar mit einem Stahlseil gesichert. Daher ist Schwindelfreiheit von Vorteil

Ab dem Stallensattel betreten wir wieder österreichisches Staatsgebiet. Ob die neue türkisch-blaue Regierung dieses ständig hin und her wechseln zwischen der Staaten wohl gutheißen wird, kommt uns in den Kopf. Der nächste Gedanke: Hoffentlich werden wir nicht von einer beritten Polizeistaffel verfolgt. Aber zum Glück werden wir bald den Doppelpass erhalten und sind endlich in Österreich willkommen.

Wie dem auch sei, kommen wir schlussendlich zum Almendörfchen Egger Alm. Im hiesigen Restaurant testen wir eine kärntner Spezialität: Kärtner Käsenudel. Die schmecken fast so gut wie Kaspressknödel.

Gestärkt von dem guten Essen nehmen wir das letzte Teilstückes der Tour auf uns. Bis zur Dellacher Alm ist der Weg flach. Danach stürzen wir uns bis in das Gailtal hinunter und fahren schließlich entlang des Gailtalradweges bis nach Arnoldstein.

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